Folgen
Folge 1
Jahrhundertwinter
30. Januar 2012 · 30 Min.
Jahrhundertwinter: Friedrich der Große und die Naturgewalten Eisige Winter, heiße Sommer und Regenfluten, die letzten Paukenschläge der kleinen Eiszeit brachten im 18. Jahrhundert viele Nöte nach Brandenburg. Sie beeinflussten die Entscheidungen Friedrich II. Diese Ereignisse gehören zu den bisher kaum erforschten Eckdaten im Leben Friedrichs des Großen. Seine Beschlüsse gegen den dramatischen Holzmangel wie auch zur Trockenlegung der Sümpfe brachten gravierende Naturumwälzungen, die bis heute unsere Landschaft prägen. Unwetterchronik eines Berliner Pfarrers Karl Ludwig Gronau (1742 - 1826) war ein evangelischer Pfarrer und Meteorologe. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung in Berlin. Seine über 70-jährigen Aufzeichnungen beschreiben die Jahre der Regierungszeit von Friedrich II. zwischen 1740 und 1786 als Epoche großer Naturkatastrophen, Epidemien und Hungersnöte. Ausgelöst durch Kälte und ferne Vulkanausbrüche. Diese Ereignisse beeinflussten die Geschichte mehr als bekannt. Tödliche Wildnis Oderbruch Als 1744 die Maler Pesne und Knobelsdorff das Oderbruch bereisten, war es wie viele andere Landschaften Preußens Sumpfland mit Fisch- und Vogelreichtum, aber auch voller Fiebermücken und Raubtiere. Immer wieder gab es Überschwemmungen, die auch den von Friedrich II. betriebenen militärischen Wegebau störten. Andererseits waren die Auen die einzigen Gebiete mit fruchtbaren Böden gegen die Hungersnöte. Schlachten gegen Wasser Mancher im Oderbruch spürt, dass sein altes Kolonistenhaus noch immer auf hohem Grundwasser steht, z. B. wenn der Giebel einsinkt. Die ältesten Balken stammen noch aus der Zeit nach dem Bau des neuen Oderbettes, als die Trockenlegung spürbar wurde und Friedrich II. in großer Eile viele Siedler ins untere Oderbruch holte und in primitiven Hütten unterbringen ließ. Die Urbarmachung des Oderbruchs wurde ein opferreicher Gewaltakt gegen die Not, aber auch der größte Landschaftseingriff seiner Zeit. Sandstürme und Waldmangel Katastrophale Niederschläge spülten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa riesige Kerben in die Landschaft. Zudem machten immer wieder Sandstürme den Bauern das Leben schwer. Es war die Zeit entblößter Böden. Holzeinschlag zum Bauen, Heizen, Verhütten und Auffüllen der Staatskassen hatte weite Teile des Landes kahl gemacht. Vor allem Eichen brachten als Schiffbauholz für die englische Flotte gutes Geld. Friedrich II. versuchte, mit einer gezielten Forstwirtschaft der Holznot ein Ende zu setzen. Der Waldbau wurde zum Reichtum unserer Landschaften. Eisige Erfahrungen der Eichen Die ältesten Eichen der Schorfheide haben im 17. und 18. Jahrhundert die Klimaextreme der zu Ende gehenden Kleinen Eiszeit miterlebt, mussten sich an Epochen von Kälte, Hitze und Trockenheit anpassen. Ihre genetischen Ressourcen gelten deshalb als besonders variabel. Eberswalder Forstwissenschaftler erforschen und nutzen solche erhöhten Stresstoleranzen in Waldbaustrategien für den künftigen Klimawandel und hoffen durch Samen- und Reisergewinnung vitale Nachkommen zu ziehen. "OZON unterwegs" verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 2
Die Macht des Lichts – und seine Schattenseiten
27. Februar 2012 · 30 Min.
Wie sehnen wir uns im Winter danach, dass die Tage wieder länger werden! Wer es hier nicht aushält, reist in lichtstärkere, wärmere Gegenden der Welt. Warum brauchen wir das Licht? Zu viel Licht kann allerdings krank machen. Warum brauchen wir auch die Dunkelheit? Und was passiert, wenn der natürliche Rhythmus durcheinanderkommt, gigantische Beleuchtung die Nacht zum Tag macht? Ein großes interdisziplinäres Forschungsprojekt der Leibniz-Gemeinschaft ist dem Verlust der Nacht auf der Spur. Berlin hat seit dem vergangenen Jahr ein ausgeklügeltes Lichtkonzept. Lösungen gegen die Lichtverschmutzung liegen (fast) vor der Haustür, nicht Lichtjahre entfernt.
Folge 3
Atomwettlauf – Das Geheimnis der Bombardierung Oranienburgs
26. März 2012 · 30 Min.
Kaum eine deutsche Stadt ist von Blindgängerbomben so geplagt wie Oranienburg. Eine systematische Suche ist ohne finanzielle Unterstützung des Bundes nicht möglich, so eine aktuelle Forderung des Landes Brandenburgs. Bislang ist die Bergung alliierter Munition Ländersache. Doch die tückischen Spezialbomben waren bereits ein erster Schritt zum Kalten Krieg. Sie wurden beim schwersten Angriff der 8. U.S. Air Force am 15.3.1945 eingesetzt, nachdem durch Dokumentenfunde in Straßburg bekannt geworden war, dass die Oranienburger Auergesellschaft für das Atomforschungsprogramm der Nazis Uranoxid produzierte. Als führender Hersteller von radioaktiven Stoffen belieferte das Tochterunternehmen der Degussa auch den Versuchsreaktor des Heereswaffenamts im Süden Berlins. Nichts davon sollte in die Hände der heranrückenden sowjetischen Armee fallen. "OZON unterwegs" beleuchtet mit neuen Fakten ein kaum bekanntes Kapitel deutscher Militär- und Wissenschaftsgeschichte.
Folge 4
Schein oder Sein – Leben in der Wachstumsgesellschaft
23. April 2012 · 30 Min.
Sich gut "verkaufen" beim Bewerbungsgespräch. Hip aussehen, um im Mainstream mitzuschwimmen. Liebe übers Internet. Alles kann man heute kaufen, Klugheit, Schönheit - und so viele Dinge, die uns in immer neue Scheinwelten entführen. Was aber geschieht dabei mit uns? Hirnforscher, Neurobiologen, Sozialwissenschaftler suchen nach Antworten, auch darauf, wie wir wieder bei uns selbst ankommen können.
Folge 5
Fluss in Not – Rettungspläne für die Spree
04. Juni 2012 · 30 Min.
Die Spree soll wieder sauber werden: ein Fluss mit attraktiven Bädern für die Berliner und ein lebensnotwendiger Wasserspender für Landwirtschaft und bedrohte Ökosysteme wie den Spreewald. Noch ist die Spree im Sommer voller Schlamm und Algen und fließt kaum. In ihrem Wasser kämpfen seltene Tiere und Pflanzen ums Überleben. Probleme, die auf den Fehlern vieler Generationen beruhen. In Brandenburg wurde der natürliche Flusslauf durch Bergbau und Landwirtschaft zerstört. In Berlin spült oft Starkregen zu viel Schmutz in das Wasser. Wissenschaftler entwerfen Modelle für einen Fluss in Zeiten des Klimawandels und erfinden Berlins Abwassersystem neu. Wasser sparende Wehre, die Renaturierung eines Teilstücks der Spree und die Rückkehr des Flusses in ein neues, kleineres Bett sollen den Fluss beleben. In Berlin setzt man auf das Projekt Spree 2011, das die Verschmutzung durch Wasser aus der Kanalisation beenden soll. Dann wäre das Baden unterm Fernsehturm keine unerreichbare Utopie mehr: In fünf Jahren schon könnte es wieder Flussbäder geben. "OZON unterwegs" verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 6
Zurück zur Wildnis? Spurensuche in der Mark
20. August 2012 · 30 Min.
Der Wolf streicht durchs Land. Ein alter Buchenwald verrottet und ist Weltnaturerbe geworden. Mächtige Wisente knicken Bäume um. Das Auerhuhn wird aus Schweden geholt und soll wieder heimisch werden. Mit seinen Riesenflächen ehemaliger Truppenübungsplätze und Tagebaue ist Brandenburg geradezu ideal für Wildnis-Versuche und ein Vorreiter in Deutschland. Denn laut Strategie der Bundesregierung zur biologischen Vielfalt soll auf zwei Prozent der Landesfläche Wildnis zugelassen werden. Doch wozu brauchen wir die? "OZON unterwegs" sucht Antworten, auch in der Stadtwildnis von Berlin. "OZON unterwegs verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 7
Unwettersommer - Wie sind wir auf Extreme vorbereitet?
17. September 2012 · 30 Min.
Der Sommer 2012 mit dramatischen Gewittern und Hagelschlägen rückt erneut detaillierte Wettervorhersagen und verfeinerte Frühwarnsysteme für Feuerwehr und Hochwasserschutz in den Mittelpunkt. Auch genauere Prognosen zu langfristigen Klimafolgen für Wasserhaushalt, Forst, Landwirtschaft und Energiewirtschaft werden immer wichtiger. Potsdamer Klimaforscher haben verschiedene Modelle gekoppelt und erstmals mögliche Folgen für alle Regionen hochgerechnet. Ihre Aussagen werden sich in einem Internetportal abrufen lassen. "OZON unterwegs verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 8
Kinderwissen - Vom Wert richtigen Lernens
15. Oktober 2012 · 30 Min.
Niemand will am Strick zur Wahrheit geführt werden - das wusste bereits Comenius, der große Pädagoge des 17. Jahrhunderts. In seinem Sinne ist der Comenius-Garten in Berlin-Neukölln ein Lernort, an dem Kinder auf ihre ganz eigene Art die Welt erobern dürfen. Derzeit wird der Himmel erforscht, mit Luftballons und anderen Fluggeräten und vor allem auf gleicher Augenhöhe mit Wissenschaftlern. Große Entdeckungen gehen oft auf einfache Kinderfragen zurück, wie die Relativitätstheorie von Albert Einstein, der eher ein Träumer als ein guter Schüler war. Heute, in unserer komplexen Welt, reicht Wissensvermittlung weniger denn je. Hirnforscher und Entwicklungspsychologen bekommen immer genauer heraus, wie Kinder am besten lernen. Die Ergebnisse fließen ein in den "Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin, in dem es auch um neue Formen des Lernens geht. Doch es gibt schon Schulen in Berlin und Brandenburg, in denen Verantwortung und Kreativität wichtiger sind als gelöste Matheaufgaben. "OZON unterwegs verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 9
Heimat unter Windrädern - der Preis der Energiewende?
12. November 2012 · 30 Min.
Die Windradgeschichte Brandenburgs begann vor 20 Jahren. Die Bauwerke gehören zu den augenscheinlichsten Zeichen der Energiewende, aber auch eines radikalen Landschaftswandels. Über 3.000 Windräder stehen bereits. Bis 2030 soll ihre Zahl noch einmal deutlich steigen. Gerade liegen wieder Regionalpläne zu Einsicht aus. Weil Platz fehlt, will man auch höhere Windräder und Windparks in Wäldern bauen. Stehen Heimatgefühle auf dem Spiel, wenn in einem solch flachen Land historische Ortsansichten und Blicke zu gestellt werden? Wenn ein großer Teil der Wertschöpfung an fremde Eigentümer geht? Was sollte geschehen, damit Windparks wie einst Schornsteine auch als Fortschrittszeichen, ja sogar als "schön" empfunden werden? "OZON unterwegs verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.
Folge 10
Zeitzeugen in der Tiefe – Wie alt ist Berlin wirklich?
10. Dezember 2012 · 30 Min.
Zeitzeugen in der Tiefe - Wie alt ist Berlin wirklich? Berlins Mitte ist ein Riesen-Buddelkasten, da wird das Schloss neu gebaut und manches Hotel, die U5 verlängert. Doch bevor das Bauen beginnt, suchen Archäologen die aufgewühlte Erde ab. Und entdecken im Jahr des 775. Berlin-Jubiläums verkohle Holzbalken, die um einiges älter sind. Wann entstand die Stadt? Und warum gerade hier? Wie haben die Menschen damals gelebt? Zwei Meter unter dem Großstadttrubel sind die Antworten konserviert. Fenster in die Vergangenheit Lange Zeit war der Große Jüdenhof an der Grunerstraße ein trister Parkplatz. Bis die Grabungsspezialisten hier schichtweise die Jahrhunderte freilegten. Sie stießen auf einen hölzernen Brunnen und suchen weiter nach der mittelalterlichen Synagoge. Sensationelles wird nebenan gefunden, in der Stralauer Straße: Mauerreste und verkohlte Holzbalken von Häusern, die schon vor der offiziellen Stadtgründung hier gestanden haben müssen. Leben im Berlin des Mittelalters Für die Wohnstätten ermittelt der Holzfachmann, anhand der Wachstumsringe im Eichenholz, die Jahre 1174 und 1222. Neben der Dendrochronologie gibt es andere Methoden, um Alter und Bedeutung von Funden zu ermitteln. Selbst die Lage eines Skelettes erzählt Stadtgeschichte, und per DNA-Analyse können Verwandtschaftsverhältnisse geklärt werden. Der Inhalt einer Kloake und Tierknochen verraten, was man damals gegessen hat. Schatzkammer der Funde Ein verrosteter Metallklumpen zeigt unter dem Röntgengerät seine wahre Form: ein Schlüssel aus Eisen. Viele Scherben fügen sich zu einem Kugeltopf. Die älteste Sau der Stadt wird vom Sand befreit. In der Werkstatt des Museums für Vor- und Frühgeschichte werden die Funde zusammengefügt, restauriert und konserviert, um ihre alte Form wieder sichtbar zu machen und die wertvollen Zeitzeugen für die Geschichtsforschung zu erhalten. Archäologie ins Stadtbild! Was erinnert an die aufregenden Grabungen, wenn alles wieder verfüllt und zugebaut ist? Werden die freigelegten und unerwartet gut erhaltenen mittelalterlichen Ratshausmauern für immer im U-Bahn-Schacht verschwinden? Archäologen und Stadtplaner haben sich zusammengerauft und wollen allen die spannendsten Zeugen der frühen Geschichte der Stadt zugänglich machen, wie es in anderen Metropolen längst üblich ist. "OZON unterwegs verbindet Recherchen unterschiedlicher Autoren und beleuchtet komplexe Themen aus Wissenschaft und Umwelt vielschichtig und mit Hintergrund.